Vom Holz und vom Spienzeln.

Diese Lust
das sanfte glatte feste Holz
anzufassen

mit den Fingern den Leisten entlangfahren
das luftig-waldige Gebilde anderswohin stellen
den Raum neu ordnen
sich dahinter verstecken und hindurchspienzeln

(und ein bisschen bedauern, dass man manchmal auch noch andere Sachen zu tun hat)

– Holz kann so befriedigend sein.

(Auslöser dieser Ode: raumstrukturierendes Trennelement aus lasierten schweizer Naturhölzern (Eiche, Buche, Linde), mit abgekantetem Stahlsockel, beliebig kombinierbar und leicht handzuhaben. Idee und Vertrieb durch die Sandro Halter GmbH, Giswil.)

Jahr:
2017-2019

Dialog:
Markus Hostettler, Samuel Amstutz, Thomas Geiser, Matthias Rohrer, Balz Jans, Jonas Blum

Fotograf:
Ernst Kehrli

Auszeichnung:
Nomination für den Red Dot Award 2019; Product Design; Young Professionals
international application number WIPO77221

Ausführungen:
klein, 143cm x 47cm, ab 1080.00CHF
mittelgross, 163cm x 47cm, ab 1110.00 CHF
gross, 183cm x 47cm
, ab 1140.00CHF

Beschrieb

Gestaltung Eingeschnittene Holzleisten, gespreizt und abwechselnd, in stehender Ausrichtung arrangiert. Nach oben und seitlich ausklingend, beim aneinanderreihen verschmelzend zu einem. Unterschiedliche Spannungen im Holz und das Reagieren auf äussere Bedingungen wie Sonneneinstrahlung, Temperatur oder Jahreszeit tragen zur lebendigen Erscheinung bei. Anheben und nach Lust und Laune neu anordnen – Einzel oder zusammen, seitwärts oder vorwärts. Mehrere Räume entstehen lassen. Oder zumindest ein Gefühl von mehreren Räumen. Eine Empfindung von Nische, von Versteck, von Geborgenheit fast. Die Behaglichkeit steigt sofort!

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Neuinterpretation Christov Rolla

Wir glauben, dass unsere Produkte nicht nur eine gewisse Sinnlichkeit haben, sondern durch den individuellen Clou, den wir ihnen im Design geben, auch die Phantasie anregen können. Daher gönnen wir uns – und Ihnen – eine kleine Spielerei, die wir „Neuinterpretationen“ nennen: Wir bitten zu jedem unserer Produkte einen künstlerisch tätigen Menschen, sich inspirieren zu lassen und eine völlig freie künstlerische Umsetzung des Produkts zu schaffen – dabei sind weder dem Medium noch der Art und Weise der Umsetzung Grenzen gesetzt.

In dieser „poetischen Erweiterung“, dieser Vernetzung von Objekt, Design und Kunst wiederspiegelt sich unsere Philosophie vom interdisziplinären Austausch.

Wir hoffen, Ihnen gefällt, was wir mögen!

Rolla komponiert, arrangiert und schreibt Texte.
Er leitet Chöre und Proben.
Er steht oft auf der Bühne.
Dort klimpert, zupft und singt er.
(Und manchmal hat er Text)

www.rollarolla.ch

Eine Trennung ist in der Regel kein schönes Ereignis. Im Gegenteil! Wenn eine Beziehung in die Brüche geht, ist das meistens traurig und tut mindestens einem der Beteiligten weh. Wenn man sich von alten Gegenständen trennen muss, sei es aus Platznot, Vernunft oder Liebeskummer, kann das zu nostalgischen Zuständen führen. Trennt sich ein Fussballverein von seinem Trainer oder dem Torschützenkönig, so herrschte zuvor nur selten eitel Freude im Club. Kurz: Wo Wege sich trennen, kann Sehnsucht sich auftun, und selbst das Trennen von Abfall ist zuweilen eine Zumutung.

Wie anders ist es jedoch, wenn es um Trennelemente geht! (Damit meine ich freilich nicht Trennelemente im metaphorischen Sinne, also Aspekte, die zu einer Trennung geführt haben wie beispielsweise das unablässige Nörgeln des Partners, der irreparable Schaden an der Pendule des Urgrossvaters oder die Niederlagenserie des Trainers.) 

Nein, jene Trennelemente, die ich meine, die kommen da zum Zuge, wo eine Trennung willkommen, aber lediglich temporär ist. Sie verhelfen zu einer Struktur; und eine Struktur hilft beileibe nicht nur wankelmütigen oder unzuverlässigen Menschen! Nein, auch der souveräne Mensch mag Struktur. Struktur ist heimelig (um einen sehr guten Slogan aus dem Holzgewerbe zu zitieren). Und sie hilft dabei, Ordnung und Übersicht zu bewahren. 

Ich denke da zum Beispiel an ein Lesezeichen. Wie praktisch so ein Lesezeichen doch ist! Es trennt die bereits gelesenen von den noch ungelesenen Seiten (was äusserst praktisch ist, wenn man ein schlechtes Gedächtnis hat oder nicht sehr gut im Blättern ist), und obendrein lässt es sich äusserst bequem versetzen, gleichsam mit dem Lesefortschritt. Und wenn der Roman ausgelesen ist, nimmt man es heraus, klappt das Buch zu – und die Seiten freuen sich sehr, endlich wieder vereinigt zu sein.

Etwas schwerer und grösser als Lesezeichen, aber mindestens gleich praktisch und zweifelsohne wesentlich eindrücklicher als Lesezeichen sind: Raumstrukturierende Trennelemente. 

(Zugegeben, „raumstrukturierende Trennelemente“, das ist ein etwas sperriger Ausdruck. Aber ich habe auch nach langem Nachdenken keinen eleganteren gefunden („Raumtrenner“ zum Beispiel klingt für mich wie etwas aus Plastic aus dem Wohnbedarf-Discounter: irgendwie viel zu leicht, verdächtig billig und vermutlich ökologisch bedenklich). Darüber hinaus ist es ein sehr präziser Ausdruck, weil er sagt, was Sache ist.)

So ein Raum hat normalerweise ja nicht sehr viel Struktur. Ein paar Wände, einen Boden, eine Decke, vielleicht noch eine Türe und Fenster – that’s it. Das kann man eigentlich noch nicht einmal Struktur nennen. Es ist einfach ein leerer Raum. (Und wenn Möbel und Sachen im Raum sind, dann ist es einfach ein Raum mit Möbeln und Sachen drin, hat aber immer noch keine Struktur. Zumindest nicht, wenn der Schreibende darin lebt.) Wenn du aber ein raumstrukturierendes Trennelement in einen Raum stellst, so hast du sofort zweiRäume! Nämlich einen Raum vorund einen Raumhinter dem Trennelement. Vielleicht sogar fünf Räume (nämlich vorhinternebenund überdem Element und dann noch den Raum, den das Trennelement selber einnimmt). 

Ein Architekt hätte mir vermutlich schon am Anfang des vorigen Absatzes widersprochen, und auch eine Philosophin würde vermutlich ob meiner Aussage die Stirn runzeln. Ich bin aber weder Architekt noch Philosophin, sondern nur ein einfacher Raumbewohner, und ich bleibe dabei: Trennelement in den Raum, zäck, hast du mehrere Räume! Oder zumindest ein Gefühlvon mehreren Räumen. Eine Empfindung von Nische, von Versteck, von Geborgenheit fast. Die Behaglichkeit steigt sofort! 

Und es steigt auch die Neugier, was auf der anderen Seite des Trennelementes ist. Wäre ich in einem leeren Raum, und darin befände sich nichts als ein Trennelement – ich könnte vor Neugier hundertmal hin und her laufen, nur um zu gucken, was auf der anderen Seite des Trennelementes ist. Und wenn da nichts wäre, ginge ich später trotzdem noch einmal gucken. Vielleicht wäre ja inzwischen etwas dort?

Ich schrieb vorhin, dass Struktur zu Ordnung und Übersicht verhilft. Wahr ist aber auch das schiere Gegenteil: Ein raumstrukturierendes Trennelement kann gleichsam helfen, Unordnung zu verstecken. Das käme mir als etwas unordentlichem Menschen sehr entgegen! Beim Betreten des Raumes sähe man zwei schöne Sessel, eine hübsche Lampe, ein Salontischchen und im Hintergrund ein paar unaufdringliche Raumtrenntelemente. Sofort setzte man sich in die Sessel und liesse sich von der Behaglichkeit einlullen und dächte sich: Was hat er Schreibende doch für eine hübsch eingerichtete Wohnung. Und was für reizende Trennelemente! Und man käme gar nicht erst auf den Gedanken, was für ein Puff der Schreibende hinterden Raumtrennelementen verbirgt. Das würde ich mir heiss und innig wünschen! (Es dürften allerdings keine allzu schönen Trennelemente sein. Denn diese würden meine Gäste auch von der anderen Seite anschauen wollen, und dann hätte ich den Salat.)Nochbesser als ein raumstrukturierendes Trennelement fände ich übrigens lediglich ein traumstrukturierendes Trennelement, denn meine Träume sind immer recht wirr. Aber das muss wohl erst noch erfunden werden. Und wenn ich vor dem Einschlafen ganz fest an die Arbeit von Herrn Halter denke, dann strukturieren sich meine Träume vielleicht von selber in schöne Räume, in denen ich gerne wohne.